Einleitung
SOA: Definition und Abgrenzung
Vor etwa fünf Jahren wurde das Thema Service-orientierte Architekturen hauptsächlich auf technischer Ebene diskutiert. Heute dagegen wird der Begriff inflationär verwendet - weit über die ursprüngliche Bedeutung im Sinne eines IT-Architektur-Konzeptes hinaus. Nicht erst seit dem für IT-Unternehmen mitunter leidvollen Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist klar: Ein neues Konzept lässt sich nur mit glaubhaften, ökonomisch sinnvollen Mehrwertdarstellungen erfolgreich im Markt etablieren. Die entscheidenden Argumente für die Einführung einer Service-orientierten Architektur in einem Unternehmen lassen sich direkt aus den Bedürfnissen von Anwendern und Management ableiten. Letztere betrachten die IT mit Recht lediglich als ein Werkzeug zur Durchsetzung von geschäftlichen Interessen. Mit anderen Worten: Wertschöpfungsketten als Kern von Unternehmen und Grundlage unternehmerischen Handelns müssen möglichst optimal durch die eingesetzte Informationstechnologie unterstützt werden. Der Erfolg von Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen ist in vielen Branchen, wie bei Banken und Versicherungen sowie in der Telekommunikations-, Automobilindustrie- und Logistikindustrie zunehmend von der IT-Unterstützung abhängig. In einigen Branchen sind die heutigen Geschäftsprozesse erst durch Informationstechnologie möglich geworden.
Aufgrund von Globalisierung und weltumspannend verteilter Wertschöpfung sind Unternehmen gezwungen, dem zunehmenden Druck des Marktes zu begegnen. Gefragt ist in erster Linie unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit durch Flexibilität, d.h., Prozesse, Geschäftsdaten sowie Organisationsstrukturen müssen effektiv den jeweiligen Gegebenheiten auf dem Markt angepasst werden. Je größer der IT-Anteil an der Wertschöpfung, umso flexibler bzw. agiler müssen folglich auch die IT-Systeme und Anwendung sein. Das zentrale geschäftspolitische Ziel des Einsatzes Service-orientierter Architekturen ist demnach eine effektive Umsetzung von Anforderungen, die sich aus flexiblen Geschäftsprozessen ableiten. Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen muss sich das Werkzeug "Informationstechnik" den geschäftlichen Bedürfnissen unterordnen. Damit verändert sich das Zusammenspiel von Geschäftsmodell (Prozesse, Organisation und Geschäftsobjekte) und IT. Eine SOA verursacht bei dieser auch als Business-IT-Alignment bezeichneten Verzahnung Anpassungsbedarf auf beiden Seiten. Die Umsetzung des Konzeptes SOA bedingt neben dem technischen Umbau der bestehenden IT-Architektur insbesondere einen neuen Umgang mit IT durch das Management und die Fachabteilungen. Diese Erkenntnis ist der Grund, warum SOA in den letzten Jahren zunehmend ein Management-Thema geworden ist. Die bisher vorherrschenden großen aber unflexiblen Anwendungen sollen in leicht anpassbare Software-Einheiten überführt werden, die jeweils eine definierte Funktionalität als Service bereitstellen, so dass Teilprozesse der Wertschöpfungskette durch Kombination dieser Software-Einheiten (Services) optimal unterstützt werden können. Dabei spielt für Management und Fachabteilung die technische Umsetzung immer weniger eine Rolle. Die schnelle Verfügbarkeit von möglichst leicht in die Wertschöpfungskette zu integrierenden Services tritt in den Vordergrund.
Blendet man bei der Betrachtung von SOA jegliche Technologie vorübergehend aus, so lässt sich eine beliebige Wertschöpfungskette als Aneinanderreihung von aufeinander abgestimmten Dienstleistungen (Services) oder auch als Folge der Nutzung von Services betrachten. Jeder einzelne Service trägt direkt bzw. indirekt zur Wertschöpfung bei. Aus Sicht des Managements steht dabei eine flexible und in jeglicher Hinsicht effiziente Leistungserbringung im Mittelpunkt. Geeignete Regeln, Prozesse und eine auf die Wertschöpfung durch Services ausgerichtete Organisation sind dafür notwendig. Neben der flexiblen Anpassung der Wertschöpfungsprozesse bietet SOA einen weiteren Vorteil, denn auf die Services kann aus allen Wertschöpfungsprozessen heraus zugegriffen werden. Somit können häufig verwendete Funktionalitäten einmal realisiert und mehrfach verwendet werden. Früher wurden gleiche Funktionalitäten für jede Anwendung separat entwickelt.
Services können teilweise oder ganz durch Informationstechnologie erbracht werden. Folglich müssen Anwendungen und Systeme, welche Services zur Verfügung stellen, so konstruiert sein, dass sie möglichst kostengünstig und schnell an neue Anforderungen angepasst werden können. Ein vielversprechender Ansatz für flexible Anwendungssoftware sind Service-orientierte IT-Architekturen. Es handelt sich dabei nicht, um eine neue Technologie und vor allem nicht um ein dediziertes Produkt eines Unternehmens. Ihr Kernstück bilden Services, die unabhängig von Anwendungen und Plattformen sind. Sie kapseln komplexe Anwendungslogik, welche durch eine Menge von Systemen bzw. Softwarekomponenten angeboten werden. Sie sind technikneutral, selbstbeschreibend, lassen sich miteinander beliebig in einer standardisierten Form kombinieren, regelbasiert steuern und wiederverwenden. Im Resultat entsteht eine modularisierte und flexible Anwendungslandschaft: Diese ist Grundlage für Flexibilität bzw. Agilität und Produktivität im Geschäftsleben als auch die Verbesserung von Effektivität und Qualität der IT-gestützten Prozesse vor dem Hintergrund einer sich permanent erhöhenden Marktdynamik.
Aus der allgemeinen Definition für SOA im Sinne eines unternehmerischen Prinzips kann eine weitere konkretere Definition bzgl. einer Service-orientierten IT-Architektur abgeleitet werden.
In der Literatur werden für jede der in den vorangegangenen Absätzen beschriebenen Sichtweisen auf SOA - wertschöpfungsorienterte oder IT-Architekturorienterte Sicht - unterschiedliche Definitionen formuliert. Dieser Ansatz ist aber mitunter hinderlich bei der konkreten Umsetzung, weil das Verständnis der Ziele und Herausforderungen der jeweils anderen Seite enorm wichtig ist. Beispielsweise muss die IT-Seite den Ansatz der Wertschöpfung durch Services verinnerlicht haben.
Definition
Eine Service-orientierte Architektur (SOA) ist ein Konzept, welche das Geschäft und die IT eines Unternehmens nach Diensten strukturiert, welche modular aufgebaut sind und flexibel zur Umsetzung von Geschäftsprozessen genutzt werden können.
Fazit:
- Eine Service-orientierte Architektur lässt sich nicht fertig auf dem Markt kaufen.
- Vielmehr ist SOA ein Konzept, das jeweils auf die individuellen Gegebenheiten - sowohl hinsichtlich der Organisation als auch der bestehenden Anwendungslandschaft - eines Unternehmens angepasst werden muss.
- Eine Service-orientierte Architektur ist nie abgeschlossen, sondern entwickelt sich mit dem Unternehmen vor dem Hintergrund eines dynamischen Marktumfeldes immer weiter.
Für wen ist die Service-orientierte Architektur relevant?
Diese Frage betrifft zwei Bereiche: Zum Einen geht es darum zu klären, für welche Unternehmen eine mögliche SOA-Initiative in Betracht kommt. Kriterien und Ansatzpunkte sind gefragt, mit deren Hilfe sich abschätzen lässt, ob eine Investition in SOA für ein Unternehmen sinnvoll bzw. notwendig ist. Diese Kriterien stellen nur einen ersten Ansatzpunkt dar, denn eine Beurteilung der Relevanz von SOA für ein Unternehmen kann nur im konkreten Unternehmenskontext getroffen werden.
Im ersten Schritt wird darüber Auskunft gegeben, wer zu den potenziellen Anwendern gehört. Der zweite Teil beschäftigt sich mit einer anderen involvierten Zielgruppe, für die eine Auseinandersetzung mit dem Thema SOA notwendig ist. Es gilt zu klären, welche Personen innerhalb der Unternehmen an der Planung und Umsetzung einer SOA-Initiative beteiligt werden sollten.
Für welche Unternehmen ist SOA relevant?
Im Kontext dieses Dokuments soll die Frage beantwortet werden, ob SOA auch für kleine und mittelständige Unternehmen eine Relevanz hat. Oder noch deutlicher: Komme ich als Vertreter des Mittelstandes um das Thema SOA herum? Während Großunternehmen und Konzerne die finanzielle Stärke haben, auch umfangreichere SOA-Initiativen zu starten, stehen kleinere Unternehmen bezüglich der Kosten und kurzer Return on Investment (ROI)-Zyklen unter stärkerem finanziellen Druck. Ebenso fehlt oft die nötige Personalstärke, um das entsprechende fachliche Know-how aufzubauen und die notwendigen Rollen im damit verbundenen Veränderungsprozess zu besetzen. Hinter der Frage steckt demnach eher die Hoffnung, dass es Rahmenbedingungen gibt, die einen Verzicht auf ein hohes Investment und Risiko für den Umbau der Softwarelandschaft in eine Service-orientierte Architektur ohne Nachteile für das Unternehmen ermöglichen. Ist die Relevanz von SOA also von der Unternehmensgröße abhängig? Die Frage kann mit einem klaren 'Nein' beantwortet werden.
Es versteht sich von selbst, dass nicht jede Problemstellung im Unternehmen mit SOA gelöst werden kann, auch wenn dies auf dem Höhepunkt der medialen Lobpreisungen oft vermittelt wurde. Wie der Nutzen und die Notwendigkeit kann die Relevanz nur im jeweiligen Unternehmenskontext bewertet werden. Es gibt jedoch einige Kriterien und Anhaltspunkte, die eine Auseinandersetzung mit SOA besonders angebracht erscheinen lassen.
Die wesentlichen Kriterien lassen sich in die Bereiche Markt, Unternehmen und IT aufteilen.
Markt
Service-orientierte Architekturen sind insbesondere für solche Unternehmen interessant, die in einem Markt operieren, der sich durch Dynamik, Änderungs- und Anpassungsfähigkeit auszeichnet. Dies können z. B. Märkte sein, die häufig gesetzliche Änderungen umsetzen müssen oder von einem hohen Wettbewerbsdruck geprägt sind. Ein weiteres Kennzeichen solcher Märkte ist die notwendige hohe Reaktionsgeschwindigkeit in Bezug auf Preise, Produkte und Dienstleistungsangebote.
Dies gilt insbesondere für Märkte, in denen der Einfluss von Internet und B2B-Szenarien neue Geschäftsmodelle ermöglicht bzw. erzwingt. So werden bestimmte Versicherungsangebote heute zunehmend online verglichen und abgeschlossen. Prozesse werden stärker automatisiert und direkt von Endkunden ausgelöst (z. B. Onlinebanking). Produkte werden über Online-Auktionen oder Online-Marktplätze veräußert.
Unternehmen
Bisher wurden viele Dienstleistungen über eine persönliche Kommunikation - also 'Mensch-zu-Mensch' oder den Austausch von gedruckten Geschäftsunterlagen angeboten. Für deren Abwicklung die IT im Hintergrund blieb. Zunehmend jedoch werden Dienstleistungen über eine reine Maschinenkommunikation durchgeführt. Dazu müssen Services, die bisher nur unternehmensintern relevant waren, über Unternehmensgrenzen hinweg bereitgestellt werden. Aus Sicht der Unternehmen ist SOA also dann relevant, wenn an der Abwicklung von Unternehmensprozessen Partner und Kunden beteiligt sind. Gleiches gilt für den Fall, dass Zulieferer mit ihrer IT stärker in die Wertschöpfungsketten ihrer Auftraggeber eingebunden werden, um die Durchlaufzeiten zu optimieren. Aber es entstehen auch neue Dienstleister, die hauptsächlich vorhandene Dienstleistungen kombinieren und ergänzen.
Ein weiterer Ansatzpunkt für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit SOA ist ein starkes (geplantes) Unternehmenswachstum; insbesondere dann, wenn dieses Wachstum durch Zukäufe von Unternehmen erfolgt. Durch Unternehmensaufkäufe und -zusammenschlüsse entstehen häufig funktional redundante Softwarelandschaften, oft auf Basis unterschiedlicher Technologien. In einem Unternehmen, in dem sich die IT durch fachlich orientierte Services auszeichnet, die sich bei Bedarf neu kombinieren lassen, kann eine notwendige Konsolidierung oder ein Wachstum der IT wesentlich schneller und kostengünstiger durchgeführt werden, indem neu hinzukommende Services in die vorhandenen Geschäftsprozesse integriert werden.
IT
Unternehmensstrategie und Geschäftsmodell bilden die Grundlage für SOA. In einigen wichtigen Punkten müssen jedoch auch Aspekte aus dem Bereich der IT berücksichtig werden.
SOA ist vor allem dann relevant, wenn ein Unternehmen und dessen Geschäft maßgeblich von der IT abhängen. Ist dies nicht der Fall dürften Investitionen in eine SOA kaum durchsetzbar und sinnvoll sein. Dies trifft hauptsächlich auf die bereits erwähnten Kleinunternehmen zu. Bei mittelständischen Unternehmen muss individuell untersucht werden, inwieweit Änderungen der IT das Geschäft positiv beeinflussen können. Bei Großunternehmen stellt sich diese Frage in der Regel nicht. Werden die Geschäftsprozesse maßgeblich durch die IT unterstützt, ist die Beschäftigung mit SOA obligatorisch, dies umso stärker, wenn die IT darüber hinaus strategische Bedeutung für das Unternehmen hat.
Auf der IT-Ebene ist SOA besonders dann relevant, wenn eine sehr heterogene IT-Landschaft existiert und Anwendungen auf Basis unterschiedlicher Technologien miteinander kommunizieren müssen. Liegen solche Rahmenbedingungen im Unternehmen vor, hat SOA einen hohen Nutzen.
Für die meisten Unternehmen wird die Auseinandersetzung mit dem Thema SOA aktuell, wenn Modernisierungsprojekte oder Neuentwicklungen anstehen und die Chance für eine Neuausrichtung der IT oder Teilen davon besteht. Diese Neuerungen können unterschiedliche Ausprägungen annehmen:
- Ablösung bestehender Alt-Systeme durch Kaufprodukte oder Eigenentwicklungen
- Erweiterung der Nutzen-Szenarien vorhandener Software (Service-Enablement)
- Erweiterung vorhandener Software um zusätzliche (individuelle) Funktionen
- Neue Systeme
Für die Optimierung heterogener Systemlandschaften bietet SOA interessante Möglichkeiten. Ziel ist letztlich die Optimierung des gesamten Systems, das Konzept SOA lässt jedoch die Umstellung einzelner Teilbereiche der IT in kleinen Schritten zu und bietet damit Investitionssicherheit. Davon profitieren insbesondere mittelständische Unternehmen mit eingeschränkten Budgets und kurzem ROI. (siehe auch Kapitel "Erfolgsfaktoren").
Die direkte Unterstützung betriebswirtschaftlicher Abläufe durch Software-Services, die wiederum Prozessketten im Sinne der Wertschöpfung durchlaufen, macht das Besondere des SOA-Konzeptes aus. Ändern sich Geschäftsabläufe sowohl innerhalb des Unternehmens als auch in globalen Wertschöpfungsnetzen, so lassen sich die begleitenden Software-Komponenten im Baukastenprinzip mit vergleichsweise einfachen Mitteln neu zusammenstellen. So wird es Unternehmen jeglicher Größe möglich, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit zugleich zu steigern. Auch wird sich in wenigen Jahren Betriebswirtschaftliche Software auf Basis von SOA im Bereich der Unternehmenssoftware durchsetzen.
Beteiligung von Unternehmensleitung, Fachbereichsleitung und IT-Management
Voraussetzung für solche Änderungen ist allerdings, dass Unternehmensleitung, Fachbereichsleitung und die IT-Verantwortlichen die eigenen Unternehmensprozesse durchdrungen haben und sich ihrer Kernkompetenzen bewusst sind. Dieser Aspekt benennt eine wichtige Problematik im Kontext Service-orientierter Architekturen. Erst das tiefgehende Verständnis der betriebswirtschaftlichen Abläufe im Unternehmen sowie der Differenzierung von dem Wettbewerb ermöglicht es, stabile Service-orientierte Softwareservices zu entwickeln, um genau diese Geschäftsabläufe zu optimieren. Bei vielen Unternehmen herrscht hier Nachholbedarf. Um optimale Analyseergebnisse zu erhalten, ist ein gemeinsames Zusammenarbeiten zwischen Fachbereichen und IT erforderlich, da ein wesentlicher Anteil des Erfolges von SOA darin liegt, dass Fachbereiche und IT ineinandergreifen. SOA-Projekte ohne Mitwirkung beider Interessengruppen nutzen das Potenzial von SOA nicht bzw. nur ungenügend. Erst das Zusammenspiel aller Interessengruppen bei Planung und Umsetzung der SOA-Strategie stellt sicher, dass die Anforderung berücksichtigt werden und das Potenzial so ausgeschöpft werden kann.
SOA: Relevant für alle in der IT-Industrie
In diesem Zusammenhang werden zukünftig andere Fragen als die der Relevanz in den Vordergrund rücken: Von wo und wem erhalten Unternehmen zukünftig Software-Lösungen? Wie werden die Leistungen abgerechnet und verwaltet. Wo liegen die Informationen und wie sind sie abgesichert? Ein Geschäftsführer oder eine Unternehmensführung haben selten das IT-Know-how für die Entwicklung eines eigenen SOA-Konzeptes. Hier wird oft auf qualifizierte Beratung aus IT-Systemhäusern zurückgegriffen, die bei der Einführung einer SOA-basierten Geschäftslösung unterstützen. Gerade für mittelständische Systemhäuser hält das SOA-Konzept interessante Geschäftschancen bereit: IT-Dienstleister entwickeln aus einzelnen Komponenten branchenspezifische oder spezialisierte Anwendungskomponenten und integrieren diese künftig in die Geschäftsprozesse des Kunden. Somit spielen IT-Systemhäuser und Softwareprovider eine wichtige Rolle bei der Implementierung von SOA-Konzepten. Erst durch ihre intensive Beratungsleistung lässt sich aus dem "SOA-Konzept" ein echter Mehrwert für mittelständische Unternehmen generieren. IT-Partner wie IT-Beratungshäuser oder IT-Dienstleister wissen, mit welchen Infrastrukturen sie Lösungen schaffen können, die die Unternehmen ihrer Kunden zukunftsträchtig machen.
Zukünftig wird aufgrund der technologischen Entwicklung um SOA kein Weg herumführen. Wie sich die Verzahnung der betriebswirtschaftlichen Bereiche eines Unternehmens mit der IT auf technologischer Ebene gestaltet, ist für den einen oder anderen Unternehmer von sekundärer Bedeutung. Entscheidend ist, dass SOA die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens erhöht und dessen Wettbewerbsfähigkeit steigert. Dabei gewinnt die Einbindung der Konzepte 'Web 2.0' und 'Software as a Service' (Saas) eine weitere wichtige Bedeutung für die Entwicklung zusammengesetzter Geschäftsarchitekturen. Hosted Services, Softwareservices oder Software as a Service (SaaS) entwickeln sich derzeit zu einem Trend. Hinter diesen Begriffen steckt die Idee: Software wird nicht mehr gekauft und auf den Computern im Unternehmen installiert, sondern die Programme laufen auf dem Server eines Dienstleisters, der sie wiederum via Internet einer Firma zur Verfügung stellt.
Für die IT-Industrie wird SOA zum führenden Paradigma. Anbieter von Infrastruktursoftware entwickeln ihre Produkte zu SOA-Plattformen weiter. Softwarehersteller machen ihre Anwendungssoftware SOA-fähig, um im Markt bestehen zu können. Neben Softwareherstellern etablieren sich Serviceanbieter, die die Services sicher verfügbar auf Basis von Service Level Agreements betreiben. Unternehmen, die sich mit SOA beschäftigen benötigen Berater, die bereits Erfahrung mit SOA haben. Für Systemanalytiker reicht die Betrachtung von Anwendungen und Use Cases aus Sicht einer einzelnen Fachabteilung nicht mehr aus. In einem SOA-Umfeld rücken bei der Systemanalyse die Betrachtung von übergreifenden Prozessen und ganzen Systemlandschaften sowie die Integrationsfähigkeit einzelner Services in eine solche Landschaft in den Fokus. Schließlich müssen sich auch Programmierer zunehmend mit Service-orientierten Prinzipien sowie entsprechenden Technologien und Standards auseinander setzen. Obwohl SOA für Programmierer hauptsächlich eine Kombination bewährter Prinzipien darstellt, kommt die Auswirkung einem Paradigmenwechsel gleich - wie ehemals von der strukturierten zur objektorientierten Programmierung.
Dies stellt auch neue Anforderungen an die Ausbildung an den Hochschulen. Sowohl in der betriebswirtschaftlichen als auch in der informationstechnischen Ausbildung müssen die Konzepte und Prinzipien von SOA vermittelt werden. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, dass neue Mitarbeiter das Gedankengut bereits mit in die Unternehmen bringen. So wird zukünftig die Zusammenarbeit von Business und IT auf Basis eines gemeinsamen Verständnisses und einer gemeinsamen Sprache von Grund auf unterstützt.
Fazit
- Für fast alle Unternehmen (abgesehen von einigen Kleinunternehmen) ist es sinnvoll, sich generell mit der Frage einer Anpassung von Geschäftsprozessen und IT-Strukturen im Sinne von SOA zu beschäftigen. Ob sich eine Investition letztlich lohnt bzw. notwendig ist und welches Ausmaß die SOA-Initiative haben wird, ist dann individuell zu klären.
- Innerhalb von Unternehmen sollten sowohl Management als auch IT-Verantwortliche an der Frage einer möglichen Veränderung beteiligt werden. In die Planung und Umsetzung einer SOA-Initiative sollten darüber hinaus auch Mitarbeiter aus den Fachabteilungen einbezogen werden. Letztendlich soll gewährleistet sein, dass Geschäftsprozesse so gut wie möglich analysiert und optimiert werden.
- Für Software-Hersteller, Beratungsfirmen, Analysten etc. ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema unverzichtbar.
Autor(en) dieses Artikels
Dr. Ulrich Kriegel, Fraunhofer-Institut für Software- und SystemtechnikCo-Autor(en) dieses Artikels
Karin Sondermann, Nemetschek AG - Stephan Ziegler, gateprotect AG - Sebastian Beckert, SAP Deutschland AG & Co. KG - Joachim Moser, USU AG - Friedrich Vollmar, IBM Deutschland GmbHDownload
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